Neue Kunden zu gewinnen assoziieren viele Freelancer häufig mit Klinkenputzen und unangenehmen Gesprächen, Absagen und finanzieller Not. Dabei muss es gar nicht so verbissen sein! Es gibt viele Möglichkeiten, die euch offenstehen, um eure Finanzen aufzustocken und neue Kunden zu gewinnen. Bringen wir heute also neuen Schwung in euer Geschäft!

Eins vorweg: Egal wie lange ihr schon selbstständig seid, die Akquise sollte in eurem Unternehmer-Alltag ein fester Bestandteil sein. Treue Kunden können abspringen, große und kleine Kunden auch. Vielleicht findet ihr in Hochphasen nicht jede Woche Zeit für die Akquise, dennoch sollte sie ein fester Bestandteil alle 3-4 Wochen sein. Macht euch direkt eine Erinnerung in den Kalender!

Punkt 1: Die eigene Website

Eure Website sollte ansprechend gestaltet, eure Leistungen verständlich sowie leicht zu finden und die Inhalte unter den aktuellen SEO-Standards aufbereitet sein. Eine Website, die auf Seite 10 in der Google-Suche erscheint, existiert praktisch fast nicht.

Hier ist es von enormer Wichtigkeit, dass ihr eure Positionierung schärft und klarstellt, was euch und eure Expertise besonders macht. Ihr seid nicht nur Social Media Experte, sondern Profi in Pinterest? Dann macht das deutlich. Die Welt braucht nicht den x-ten Texter, Mediendesigner oder Social Media Manager. Interessant wird es, wenn ihr eure Nische klar definiert. Mehr darüber erfahrt ihr in dem Artikel „Personal Branding: Wer bist du, was machst du, wohin willst du?

Punkt 2: Freelancer-Profil bekannt machen

Doch nicht nur über die Website lassen sich Anfragen generieren: Auch Freelancerportale wie Freelance.deFreelance-market.deDas Auge und Freelancer Map sind geschaffen für euch. Updatet hier in regelmäßigen Abständen eure Profile und bewerbt euch auf interessante Stellenausschreibungen.

Auf der Seite vom Gründerlexikon findet ihr eine Übersicht mit über 60 Auftragsbörsen für Freelancer.

Aber nicht nur Jobbörsen speziell für Freelancer kommen für eure Akquise in Frage. Bewerbt euch auch gerne auf feste Stellen (zu finden bei Indeed, Monster oder Stepstone), denn oft suchen die Firmen auch einen Freelancer zwecks Überbrückung der zu besetzenden Stelle.

Punkt 3: Greift zum Hörer

Schaut außerdem bei Stellenausschreibungen intensiv nach Telefonnummern. Schreibt eine Mail als Erstkontakt raus, wenn ihr euch nicht zutraut, direkt anzurufen. Wenn einige Tage vergangen sind und ihr keine Antwort auf eure Mail erhalten habt, dann greift zum Hörer und ruft kurz an. Es kostet anfangs ein paar Nerven, wenn ihr Angst vor Ablehnung habt. Doch was habt ihr zu verlieren? Mehr als „Nein, danke wir suchen gerade niemanden“ wird euch wohl nicht passieren.

Der unschlagbare Vorteil: Viele trauen sich nicht anzurufen, finden diese Art der Akquise als unangenehm und machen es nicht. Damit stecht ihr aus der grauen Masse an Freelancern hervor, die nicht anrufen.

Punkt 4: Personalvermittlungsfirmen

Avantgarde ExpertsAcademic Work, und Hays sind Beispiele für Personalvermittlungsagenturen, die auf ihrer Seite interessante Projektanfragen von Kunden haben und dann konkret auf euch zukommen, und fragen, ob ihr verfügbar seid. Falls dem so ist und die Stelle sowie die Lohnvorstellungen passen, gehen die Agenturen ihrerseits mit eurem Profil und Arbeitsproben auf die Kunden zu und vermitteln euch im besten Falle an diese.

Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass ich fast ein Jahr lang keine passenden Anfragen über diese Anbieter erhalten habe. Erst als ich den ersten lukrativen Job vermittelt bekam, erhielt ich plötzlich eine Menge passender Anfragen. Hier beschleicht mich ein wenig das Gefühl, dass die Agenturen Freelancer vorziehen, mit denen sie bereits gearbeitet haben. Verliert nicht den Mut!

Punkt 5: LinkedIn und XING

Legt euch ein LinkedIn und XING-Profil zu und aktualisiert auch dieses in regelmäßigen Abständen. Da sich dort auch einige Headhunter und Personalvermittler tummeln, erhält man bei einem gut positionierten Profil auch dort einige Anfragen. Das kleckert dann immer in unregelmäßigen Abständen rein.

Punkt 6: Empfehlungsmarketing

Die meiner Meinung nach effektivste Waffe die Gunst neuer Kunden zu gewinnen, auf die ihr nur passiven Einfluss habt. Ist ein Kunde mit eurer Arbeit zufrieden oder gar begeistert, empfiehlt er euch im besten Falle weiter. Also könnt ihr hier nur mit professioneller Arbeit und einem tollen Projekterlebnis punkten. Das sollte sowieso immer das Ziel sein.

Solltet ihr durch eine Empfehlung einen neuen Kunden gewinnen, dann schickt dem „Empfehler“ ein kleines Dankeschön. Somit bleibt ihr im Gedächtnis und der andere wird euch mit hoher Wahrscheinlichkeit erneut empfehlen.

Punkt 7: Folgeaufträge

Ein Punkt, der mir schon den ein oder anderen Auftrag gesichert hat: Folgeaufträge anbieten. Außerdem gebe ich in den meisten Fällen zwei Angebote ab. Ein „großes“ (meist umfangreicher von der Leistung und vom Preis her, als das was angefragt war) und ein „kleines“ (was der Kunde direkt angefragt hat). Hin und wieder lassen sich die Kunden von dem großen Angebot überzeugen, weil sie so mehr Leistung für einen guten Preis bekommen und noch einmal mehr Budget locker machen.

Am Ende eines Projekts könnt ihr ähnlich verfahren: Bedankt euch für die tolle Zusammenarbeit und macht deutlich, was für eine Freude es wäre, weiterhin in Kontakt zu bleiben. Entweder geht ihr direkt mit einem neuen Angebot raus (das kommt auf die Situation des Kunden und euer Bauchgefühl an) oder ihr verbredet euch zu regelmäßigen Lunchterminen.

Regelmäßig bedeutet hier nicht jede Woche, sondern in einem angemessenen Zeitrahmen. Wenn der Kunde jetzt kein Budget hat, behält er euch dennoch im Hinterkopf und baut eine persönliche Bindung zu euch auf. Denn Bestandskunden zu halten ist weniger aufwendig und damit lukrativer als neue Kunden zu generieren.

Punkt 8: Netzwerk

Sind wir mal ehrlich: Die meisten guten Jobs habe ich über mein Netzwerk oder das Empfehlungsmarketing bekommen. Ist euer Netzwerk noch ausbaufähig, dann sucht nach passenden Veranstaltungen in eurer Nähe. Das können neben der Messe auch Seminare, Vorträge, Businesslunches und Workshops sein. Wie ihr richtig netzwerkt, lernt ihr in diesem Artikel.

Doch ganz wichtig: Geht nicht mit der Haltung auf eine Netzwerkveranstaltung sofort mit 5 neuen Jobs nach Hause zu kommen. Das wird in den meisten Fällen nicht passieren. Was aber relevant für euch ist, sind die neuen wertvollen Kontakte. Netzwerkveranstaltungen machen dich und deine Leistung in deiner Umgebung bekannter, was langfristig zu neuen Jobs führen kann. Es ist keine Sofort-Hilfe für akute Fälle.

Punkt 9: Vorträge und Workshops

Bei der Kaltakquise ist es lukrativer, wenn ihr die Entscheider findet. Einzelne Kunden anzuschreiben, ist mühselig und ihr werdet auf viele Mails keine Reaktion erhalten. Deswegen ist der andere Weg, euch mit eurem Thema als Experte vor einer großen Gruppe zu positionieren. So sprecht ihr in kürzester Zeit viele potenzielle Kunden auf einmal an, baut eine erste persönliche Bindung auf und habt mehr Ressourcen zur Verfügung, wenn es darum geht, die Kunden auf eure Seite zu ziehen.

Haltet nach Vortragsmöglichkeiten Ausschau und veranstaltet kleine Workshops, wo ihr euer Wissen teilt. Bei dem Vortrag sollte es vorrangig um den Mehrwert für die Zuhörer gehen, nicht um eure Leistung, die ihr verkaufen wollt. Bietet nach dem Vortrag die Möglichkeit für individuelle Fragen, schickt eure Präsentation rum und verknüpft sie direkt mit einem Angebot eurer Leistungen.

Workshops könnt ihr von Anfang an gegen ein Honorar abhalten und erschließt euch so eine potenzielle neue Einkommensquelle und ein weiteres Standbein. Arbeitet hier ein gutes Konzept aus.

Punkt 10: Der Notfallplan

In Zeiten, die besonders stürmisch und mau aussahen, behalte ich mir immer meinen Notfallplan im Kopf: Zur Not überbrücke ich die finanzielle Enge mit einem Teilzeitjob aus einer anderen Branche (Kellnern, Projektassistenz, Verkäuferin). Solltet ihr Panik haben, muss die Lösung nicht sofort Festanstellung bedeuten. Häufig geht es darum, den finanziellen Druck mit einem anderen Job auszugleichen, bis bessere Zeiten kommen. Manche Jobs muss man machen, um die Miete zu bezahlen („Brotjobs“).

Verliert nicht den Mut

Verzweifelt nicht. Heult euch mal richtig aus, wenn es eng wird. Und am nächsten Morgen greift ihr wieder an. Hauptsache ihr fühlt euch gut in eurer Selbstständigkeit und eignet euch über die Zeit eine gewisse Intoleranz gegenüber dem Druck an. Denn meistens ist es gar nicht so schlimm, wie es sich im ersten Moment anfühlt, BOSSBABES!

Vorheriger ArtikelWeitermachen: So löst du die lästige kreative Blockade
Nächster ArtikelMotivation pur! Feiere deine Erfolge
Schön, dich kennenzulernen! Als Business Coach helfe ich jungen, ambitionierten Frauen dabei, ihr “Warum” im Leben zu finden und beruflich so richtig durchzustarten. Mir ist es ein großes Anliegen, gemeinsam zu wachsen und den eigenen Weg zu gehen – wie auch immer dieser aussehen mag. Um deinen eigenen Weg zu gehen, ist es unglaublich wichtig, zu wissen, wie er überhaupt aussehen soll. Was dich glücklich macht, welche Stärken du in deine Ideen einfließen lassen kannst und welche Werte dich und deine Arbeit leiten. Lass es uns gemeinsam herausfinden!

4 KOMMENTARE

  1. Hallo Laura,

    vielen Dank für diesen wunderbaren Beitrag. Habe ich gleich umgesetzt und mich bei DasAuge angemeldet…

    Freu mich auf weitere tolle Beiträge und noch mehr freue ich mich wenn du deine Weiterbildung als Coach fertig hast – und vielleicht auch mich unterstützen kannst.

    Liebe Grüße aus München,
    Claudia

  2. Liebe Laura,

    vielen Dank dafür, dass du deine Tipps mit uns teilst. Ich arbeite hart daran, mir ein zweites Standbein aufzubauen und habe zum Glück ein festes dauerhaftes Projekt. Wünsche mir allerdings mehr, um finanziell frei zu sein. Bei den von dir genannten Protalen schaue ich regelmäßig rein, aber ich habe das Gefühl, dass kein Job für mich da ist. Was muss ich denn da für Ausbildungen gemacht haben? Verstehst du mein Problem?

    Liebe Grüße
    Maria

    • Hallo Maria,

      Ausbildung ist nicht so relevant, wie Projekte, Arbeitsproben und Kunden, die du vorweisen kannst, damit die potenziellen Kunden dich besser kennenlernen. Erfahrung schlägt hier manchmal doch eher die Ausbildung. Wenn du natürlich gerade ganz am Anfang stehst, überlege, ob du Pro Bono-Fälle annimmst, um überhaupt etwas vorweisen zu können. Gerade am Anfang muss man mehr Zeit reinstecken. Die genannten Portale bringen nicht unbedingt regelmäßig, konstanten und schnellen Erfolg. Dennoch sind sie eine gute Maßnahme, dass Profil zu verbreiten. Alleine darauf verlassen würde ich mich nicht. Meine größten Erfolge habe durch das Empfehlungsmarketing, Folgeaufträge und durch mein Netzwerk bekommen.

      Meine Empfehlung ist: Schau regelmäßig (alle 2 Wochen), ob was passendes dabei ist und bewerbe dich und stecke deine Energie lieber in die anderen Ideen, das sind meine Erfahrungen. Die waren bisher lukrativer.

      Hab viel Erfolg!
      Liebste Grüße
      Laura

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here