Ich dachte immer, sein eigener Boss zu sein, wäre cool. Ein Ziel zu haben, einen geregelten Tagesablauf… Jetzt sitze ich hier und esse Cornflakes zum Frühstück: Um 18:23 Uhr. Ohne Milch. Im Schlafanzug von letzter Woche.

Okay, ganz so schlimm ist es nicht – ich habe immerhin gekämmte Haare! Trotzdem: Letztes Wochenende beschloss ich, dass es so nicht weitergehen kann. Ich lief Gefahr, in Selbstmitleid zu versinken. Keine Arbeitskollegen, so gut wie keine sozialen Kontakte, unbezahlte Rechnungen, schleppende Aufträge – das Leben eines Freiberuflers. Ich wollte das. Aber nicht so.

“Du hast deinen Biss verloren”

Ein Nebensatz, der mir den Magen umdrehte. Nicht, weil eine meiner engsten Freunde ihn mir ins Gesicht sagte, sondern weil sie Recht hatte. Weil ich mir das selbst schon oft genug ins Gedächtnis gerufen hatte. Das #BOSSBABE in mir war verstummt. Was war geschehen?

Die Schweiz-Reise war grandios, mit ihrem Ergebnis war ich äußerst zufrieden. Doch startete ich erkältet in diesen Job und zu Hause bekam ich die Retourkutsche. Versteht mich nicht falsch, ich würde immer wieder fahren, stünde ich erneut vor der Entscheidung. Doch ich kurierte mich nicht aus, rannte bei der nächsten Gelegenheit wieder zum Sport. Also übergab ich mich. Wieder und wieder. Doch das war bei Weitem nicht das Schlimmste.

Wer Katastrophen mag, wird mich lieben. Der Rest geht einfach weiter. Danke.

Ich versank danach in eine Art Trance, Melancholie wenn man so will. Ich hatte meinen Biss verloren. Meinen inneren Boss. Strauchelte. Rannte vor Verantwortung weg. Unsichere Finanzen und Einsamkeit sind meine größten Schwierigkeiten in der Selbstständigkeit. Doch ich habe am Wochenende gemerkt: Sie bringen mich nicht dazu, aufzuhören, sondern sind Antreiber, meine alten Muster aufzubrechen und meine Komfortzone zu verlassen. Also machte ich mir Freitagnachmittag einen Schlachtplan:

2 Tage arbeite ich nicht von Zuhause aus, sondern in Cafés, Bibliotheken, Freunden, etc. 1 Tag in der Woche widme ich (solange es die Auftragslage zulässt) dem Lernen, dafür habe ich mir eigens einen eigenen Lehrplan geschrieben. 2 Stunden in der Woche intensiviere ich meine Norwegisch-Kenntnisse. In den Mittagspausen, in denen ich von Zuhause aus arbeite, mache ich einen Spaziergang. Jeden Freitag plane ich meine kommende Woche Stunde um Stunde vor. Und so weiter und so fort. Ihr wisst nicht, wie gut das tut und hilft.

Warum ich so offen über meine Probleme spreche? Weil es die Wahrheit ist. Weil ich nicht alleine damit bin und ein Beispiel sein möchte, nicht nur für Authentizität, sondern auch für Lösungen. Weil ihr mich zum Weitermachen bringt. Meine kleine #BOSSBABEArmee da draußen hilft mir, dafür danke ich euch. Außerdem: Man muss auch mal was Schlechtes von sich preisgeben. Sonst verlieben sich noch alle.

Wir alle haben mal einen Durchhänger

Doch irgendwann muss auch mal wieder Schluss sein. Schluss mit Selbstmitleid, Schluss, die Fussel am Fußboden zu zählen und Schluss mit all den Fragereien, Zweifeln. Konzentrier dich lieber auf die Sterne am Himmel – jeder kleine Stern ist Zeugnis deiner Hindernisse auf dem Weg, ja. Aber jeder größere, schöner strahlende Leuchtkörper am Horizont steht für ein grandioses Projekt, eine tolle Erfahrung, eine Freundschaft, was auch immer. Sieh zu, dass du dich darauf konzentrierst. Frag dich: Was hält dich davon ab, großartig zu sein? Und wenn du dir selbst stehst, dann stell dir die Frage, was du ganz konkret besser machen kannst, um deine wahre Willenskraft entfalten zu können. Mach dir deinen eigenen Schlachtplan. Das Wichtigste: Renn nicht weg, deine Probleme holen dich immer wieder ein.

1 KOMMENTAR

  1. Guten Morgen,
    danke für den super Text. Diesen am Morgen zu lesen bringt gleich mehr Energie! Als Studentin mit zwei Nebenjobs, die Zeit mäßig auch frei einteilbar sind, habe ich auch viele Stunden, die ich selbst zu organisieren habe. Einen Wochenplan hatte ich mir schon am Anfang des Semesters gestellt, der sogar ähnlich ist wie deiner. Nur mit dem Einhalten des Plans habe ich immer wieder meine Schwierigkeiten, wenn Kleinigkeiten dazwischen kommen, die mich aus der Bahn werfen, Dinge, die eig in 5min abgearbeitet werden könnten, denen ich dann aber zu viel Aufmerksamkeit schenken. Hast du dagegen einen Tipp und eine Anleitung zum Einhalten von Plänen? Sie würden mir sehr helfen.
    Liebe Grüße Ice

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