Vor nicht allzu langer Zeit postete ich ein Bild auf Instagram, welches für meine Verhältnisse außergewöhnlich war. Es feierte meine Weiblichkeit, es war vielleicht etwas aufgesetzt und mein Gesichtsausdruck ein wenig aufmüpfig. Aber ich liebte es, von Sekunde 1 an, nachdem ich es geschossen hatte. Zu diesem Foto fragte ich nach der Meinung all derjenigen, die es in ihrem Feed zu sehen bekamen. Die meisten Kommentare feierten es. Doch ein, zwei Stimmen waren so gar nicht mit dem Bild einverstanden. Ich sage hier ganz bewusst einverstanden, denn was sie zu sagen hatten, schockierte mich dann doch.

“Unauthentisch, überhaupt nicht du und oh Gott – wie peinlich, diese Selbstinszenierung!” war das abschließende Urteil. Es waren auch Stimmen aus meinem unmittelbaren Umfeld darunter. Dieses Urteil fasste mich neben diesen ganzen wirklich tollen und unterstützenden Meinungen irgendwie an. Weil ich lange dafür gekämpft hatte, so wie auf dem Foto auszusehen. Mit 18 habe ich mich einer Brustverkleinerung unterzogen, weil meine Brüste aufgrund eines Gendefekts niemals aufgehört hätten, zu wachsen. Vor meiner OP hatten sie Größe 75G – und wären immer noch größer geworden. Für meine Weiblichkeit habe ich mich jahrelang geschämt. Weil die Leute oft auf der Straße stehen blieben, um mir aufs Dekolleté zu starren, trug ich häufig weite Klamotten und dicke Schals um den Hals. Im Sommer Tücher.

Die Menschen wissen nicht, wie hart ich an diesem Selbstvertrauen arbeite

Tagtäglich. Denn bei all den miesen Sprüchen “Guck mal, da kommen die zwei Brüste und sie haben Laura mitgebracht”, bin ich selbst immer noch mein härtester Kritiker. Ich musste oft dafür kämpfen, dass (vor allem Männer) mehr in mir sehen als nur das große blonde Mädchen mit den riesigen Brüsten. Das war nicht schön, einige von ihnen wollten ihre Machtposition oft und gerne ausnutzen. Ich habe mich selbst nur auf mein Äußeres reduziert und gar nicht wahrgenommen, was ich eigentlich im Köpfchen habe.

Mein Selbstbewusstsein war mir im Nachhinein peinlich

Sobald ich mal zu mir stand, mit erhobenem Kopf, gestreckten Schultern, geradem Gang dank hoher Schuhe (was mit meinen 1,80m eine ziemlich Erscheinung ist) durchs Leben stolzierte, saß ich oft abends in meiner Wohnung und zerbarst fast vor Selbstzweifel. So gut wie ich mich tagsüber noch fühlte – das Gefühl war abends weg. Auch heute noch kommt das vor. Dann muss ich diese Situation zehntausendmal mit meinem Freundeskreis durchkauen und man muss mir bestätigen, dass ich richtig gehandelt habe oder mich eben nicht zu schämen brauche. Wieso schämen wir Frauen uns für unser Selbstbewusstsein?

Bei einer meiner früheren Angestelltenverhältnisse wurde sich oft über mich lustig gemacht: Ich wäre “bossy”. Das brachte mich dazu, mich kleiner zu machen als ich war. In Meetings traute ich mich oft nicht mehr, den Mund aufzumachen. Auf dem Gang huschte ich schnell von A nach B mit gebeugter Körperhaltung. Bloß nicht auffallen. Bis ich mir selbst nicht mehr in den Spiegel gucken konnte. Das war nicht ich. Ich bin laut, ambitioniert und gebe oft meinen Senf zu Dingen, bei denen meine Meinung nicht gefragt war. All das mit dem Ziel im Hinterkopf, unser aller Arbeit zu verbessern und eine tolle Atmosphäre zu schaffen. Ich hab immer einen lockeren Spruch auf den Lippen und das will ich (aus)leben.

Auf ein Kompliment folgt zumeist eine Rechtfertigung

Wenn ich meinen Freundinnen oder Kolleginnen ein Kompliment zu ihrem Vortrag, Outfit, ihrer Frisur oder auch ihrer Stimmung mache, folgt ganz häufig ein Danke gepaart mit super vielen Rechtfertigungen. “Ach, was ich habe heute total den Bad Hair Day”, “Der Vortrag war okay, ich hab aber das und das noch vergessen und eigentlich wollte ich langsamer reden…”, “Danke, aber das war gar keine Absicht” sind da nur wenige Beispiele.

Ich plädiere dafür, dass wir Frauen endlich mal zu uns stehen. Zu unseren schlechten und guten Seiten, unseren tollen Ecken und Kanten. Aber vor allem zu unseren Fähigkeiten, die uns so einzigartig und gut indem machen, was und vor allem wie wir sind. Es macht dich nicht sozial akzeptierter, wenn du deine Grandiosität nicht anerkennst.

Warum schränken wir Frauen uns und unsere Fähigkeiten selbst ein?
Warum lästern wir hinter unserem Rücken, wenn eine von uns mal ein bisschen mehr Selbstbewusstsein zeigt?
Warum brauchen wir im Vergleich zu Männern mehr Zeit und Arbeit, um all die Selbstzweifel abzulegen – jetzt mal so ganz verallgemeinert?
Warum fällt uns Selbstvertrauen so schwer?

Ich verstehe es nicht. Ich wünsche mir nur, dass wir alle mal mehr zu uns selbst stehen, denn unsere Persönlichkeit steht uns einfach am besten. Ich werde in Zukunft noch öfter “gewagte” Fotos von mir machen und mit euch teilen. Ich will wieder mehr ausprobieren und meinen Körper (neu) kennenlernen. Und ich will zeigen, dass Selbstvertrauen uns allen echt gut steht.

selbstvertrauen_thebossway

3 KOMMENTARE

  1. Liebe Laura, schöner Anstoß! Eine gute Dosis mehr Selbstvertrauen könnten wirklich viele von uns gebrauchen! Und hinsichtlich verschiedenster Online-Kritiken müssen wir Frauen uns vielleicht öfter klarmachen, dass diese oftmals nur durch die Anonymität der sozialen Medien hervorgerufen wird. Kaum jemand würde uns in der Wirklichkeit – face to face – für unseren Content kritisieren; Und weil ich Dich face to face kenne, kann ich hiermit offiziell bestätigen, dass Du so bist, wie auf diesem Bild: Mutig, stark und selbstbewusst!

    • Liebe Magdalena,

      danke danke danke! Das tut wirklich ungemein gut, zu hören. Und du hast Recht: Viele würden von Angesicht zu Angesicht solch eine Kritik nicht aussprechen. Doch in den sozialen Medien rutscht einem schnell etwas raus und so habe ich die Chance, darauf zu reagieren und meine Seite der Geschichte zu erzählen. Das wiederum finde ich sehr sehr gut.

      Ich freue mich auf unser nächstes Wiedersehen!
      Laura

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